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aaoc culture szene biel-bienne

Austauschnachmittag am Dienstag, 23. September 2025, Le Singe/St. Gervais

Ziel: Gemeinsam wollen wir aktuelle Herausforderungen unserer Institutionen beleuchten, Strategien diskutieren und konkrete Lösungsansätze erarbeiten.

Programm 

13h30 – Türöffnung/Eintreffen

14h00 – Begrüssung & Bestandesaufnahme: Herausforderungen der Institutionen

14h45 – Kulturstrategie AAOC, Stand 23.9. (Amélie / Luca)

15h15 – Pause

15h30 – Plenum zu folgenden Themen:

Erarbeitung einer gemeinsamen Haltung zu den Leistungsverträgen.

Vertiefung Themen Kulturstrategie, konkrete Anliegen und Forderungen, die in den weiteren politischen Prozess einfliessen sollen.

17h40 – Resümee & Ausblick

18h00 – Kleines Apéro & informeller Austausch

Moderation: Nina Pigné (Vorstand AAOC)

Eingeladene Expertin: Sybille Heiniger, Co-Präsidentin t. Theaterschaffen Schweiz 

Protokoll: Manon Engel, Amelie Schüle (Vorstand AAOC)

Anwesend: 35 Kulturakteur·innen (s. separate Liste)

Zusammenfassung der Bestandesaufnahme und Diskussionsgruppen zu den Themen zur Vorbereitung der Leistungsvertragsverhandlungen und der Kulturstrategie aaoc

1. Kommunikation, Zweisprachigkeit & Vermittlung

·         Vermittlung wird oft eingefordert, aber nicht systematisch gefördert. Es fehlt an klaren Strategien und Ressourcen zur Finanzierung, insbesondere in der freien Szene.

Controlling bleibt schwierig: Diskussion um das Controlling-Sheet zeigt, dass es bis heute keine überzeugende Lösung gibt, wie Vermittlung sichtbar gemacht und gemessen werden kann.

Zweisprachigkeit ist Realität – aber eine teure. Übersetzungsarbeit, mehrsprachige Kommunikation und Outreach in migrantische, französischsprachige Bevölkerung erfordern zusätzliche Ressourcen, die kaum budgetiert sind.

Dreisprachige Kommunikation wird zunehmend notwendig. Viele Institutionen arbeiten inzwischen auch mit englischsprachigem Publikum.

Strukturelle Unterschiede zwischen Institutionen: Einige verfügen über eigene Vermittlungsabteilungen (z.B. gemeinsam mit NMB), andere sind auf externe Projektförderung angewiesen.

Institutionelle Anforderungen nehmen zu: CAF, Forum Bilinguisme, Stadtmarketing und neue Fördertöpfe bringen neue Kommunikationsformate mit sich – ohne zusätzliche Mittel.

Bedarf an gezielter Nachwuchsförderung im Kommunikationsbereich.

Infrastruktur für Kommunikation ungenügend: Bedarf nach mehr Plakatstellen und städtischer Unterstützung bei Bewerbung der Institutionen.

2. Infrastruktur & Ressourcen

·         Langfristige Infrastrukturinvestitionen fehlen. Transformationsprojekte dienen oft nur als Überbrückung.

·         Klarstellung der Eigentumsverhältnisse ist entscheidend. Wer trägt Verantwortung für Instandhaltung, wenn die Stadt Eigentümerin der Immobilie ist?

·         Investitionen in Infrastruktur sollten nicht aus Kulturbudgets bezahlt werden, sondern aus separaten Immobilienetats.

·         Rauminfrastruktur der Stadt sollte subventioniert werden, damit die Fördergelder nicht sofort als Miete wieder abgegeben werden müssen.

·         Eigenfinanzierungsgrad ist realitätsfern, wenn Förderstellen unrealistische Erwartungen an wirtschaftliche Leistung stellen.

·         Zeitressourcen fehlen, um parallel Projektarbeit und Drittmittelbeschaffung für Infrastruktur zu leisten.

·         Es gibt zu wenig Ateliers und Proberäume, insbesondere für Tanz und Musikformationen.

3. Gagen, Löhne & Sozialwesen

·         Faire Gagen und Löhne müssen gesichert werden. Dies betrifft nicht nur Kunstschaffende, sondern auch institutionelles Personal.

·         Stadt muss klären, was als faire Entlöhnung gilt. Gibt es eine offizielle Besoldungsliste?

·         Ko-Produktionen verlangen klare Förderstrategien: Wer finanziert welche Anteile – Stadt, Kanton, weitere Stellen?

·         Generationenthema: Arbeitsbedingungen müssen so gestaltet werden, dass auch kommende Generationen in der Kultur arbeiten wollen – ohne auf Selbstausbeutung oder Freiwilligenarbeit angewiesen zu sein.

·         Gesunde Institutionen ermöglichen gesunde Kooperationen.

·         Unterschiedliches Verständnis von Kooperation in den Sparten erschwert den Dialog – hier braucht es mehr Austausch.

4. Anforderungen & Rahmenbedingungen in den Leistungsverträgen

·         Teuerungsausgleich wurde seit 2012 nicht gewährt. Dies ist der zentrale gemeinsame Nenner aller Institutionen.

·         Wir fordern einen garantierten Teuerungsausgleich. Beispielhafte Forderung: +20 % als Mindestanpassung.

·         Verbindliche Strategie zur Weiterentwicklung statt Rückbau.

·         Unterschiedliche Behandlung von Kultur und Bauprojekten: Teuerungsbedingte Baukostenerhöhungen werden bewilligt, Kultur muss kämpfen.

·         Budgeterhöhung statt Umverteilung. Keine Kürzungen bei der freien Szene zugunsten regionaler Leistungsverträge.

·         Doppelfinanzierung muss geklärt werden. Spannungen zwischen Stadt und Region dürfen nicht auf Kosten der freien Szene gehen.

·         Leistungsverträge dürfen keine rein formalen Controllinginstrumente sein. Es braucht Flexibilität, Raum für Entwicklung, und realistische          Zielvorgaben.

·         251 CHF pro Kopf für Kultur ist zu wenig für eine Stadt wie Biel. Vergleiche mit Städten wie Lausanne und Genf zeigen ein Missverhältnis.


Weitere Inputs und Ideen der Teilnehmenden: Neben den thematischen Diskussionsgruppen wurden im Verlauf des Nachmittags zusätzliche Anliegen und Vorschläge eingebracht, die für die weitere Arbeit des AAOC von Relevanz sind:

·         Politische Kampagne: Es wurde angeregt, als Bieler Kulturszene eine öffentlich sichtbare Kampagne zu lancieren, um kulturpolitische Anliegen zu stärken – etwa mit einer klaren visuellen Sprache, einem Manifest oder Plakaten im Stadtraum.

·         Transparenz in den Verhandlungen: Der Wunsch nach mehr Offenheit im Umgang mit den individuellen Leistungsvertragsverhandlungen wurde mehrfach geäussert. Ein Austausch untereinander könne helfen, die Positionen gegenseitig zu stärken.

·         Folgetreffen während der Verhandlungsphase: Es wurde vorgeschlagen, ein weiteres Treffen der Kulturinstitutionen zu organisieren, sobald die Verhandlungen mit der Stadt konkret begonnen haben, um sich über Inhalte und Entwicklungen auszutauschen und ggf. gemeinsame Strategien zu entwickeln.

·         Keine Umverteilung innerhalb der Kulturszene: Mehrere Stimmen betonten, dass es bei den Verhandlungen um eine generelle Erhöhung der Kulturförderung gehen müsse – nicht um eine Umverteilung zugunsten einzelner Institutionen auf Kosten der freien oder alternativen Szene.

·         Weitere Priorität für das Stadtmarketing: Es wurde erneut mehrmals appelliert, dass Kultur ein Schwerpunkt beim Stadtmarketing sein sollte.

Stand Kulturmanifest AAOC:  Luca Depietri und Amélie Schüle (Vorstand AAOC) stellten den aktuellen Stand des Kulturmanifests vor. Die Kulturstrategie gliedert sich in ein Vorwort und ein thematisches Inhaltsverzeichnis, das bis Ende 2025 gemeinsam weiter ausgearbeitet werden soll. Das Vorwort formuliert drei zentrale Grundsätze, die das Selbstverständnis der Bieler Kulturszene prägen:

1.      Wir wollen Kultur ermöglichen – durch faire Bedingungen, Planungssicherheit und strukturelle Unterstützung.

2.      Wir wollen Verantwortung übernehmen – für Arbeitsbedingungen, Diversität, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Wandel.

3.      Wir wollen gemeinsam gestalten – durch Solidarität, Austausch und konkrete politische Forderungen.

Das Inhaltsverzeichnis umfasst zentrale Themenfelder wie Infrastruktur, Personal und Arbeitsbedingungen, Vermittlung, Diversität, Finanzierung und Kooperationen. Ziel ist ein dynamisches, gemeinsam getragenes Dokument, das als politisches Forderungspapier dient. Für die weitere Verschriftlichung ist die Gruppe offen für interessierte Mitwirkende aus der AAOC-Mitgliedschaft. Das Vorwort, das aktuelle Inhaltsverzeichnis sowie die politischen Grundsätze („Punchlines“) der Arbeitsgruppe sind diesem Protokoll als Anhang beigefügt.


Gemeinsame Beschlüsse als Folge der Sitzung

Die regionalen Kulturinstitutionen haben sich darauf geeinigt, nach Abschluss der ersten Gesprächsrunde mit der Stadt Biel ein weiteres Treffen zu organisieren, um sich über den Verlauf der Verhandlungen auszutauschen und gemeinsame Strategien zu entwickeln. Die Koordination dieses Treffens übernehmen die beteiligten Institutionen selbst.

Die Kulturgruppe des Stadtrats soll in Zusammenarbeit mit Stadträtin Anna Tanner reaktiviert werden, um kulturpolitische Anliegen gezielter in die politischen Gremien einzubringen.

Der AAOC – scène culturelle Bienne wird sich aktiv mit der neu erweiterten Kulturkommission der Stadt Biel vernetzen. Die Stadt sieht in dieser Kommission ein zentrales Gremium, das sich auch politisch positionieren und an laufenden kulturpolitischen Diskussionen beteiligen soll.

Der Vorstand des AAOC prüft die Möglichkeit, eine gemeinsame Kampagne der Bieler Kulturszene zu lancieren. Die inhaltliche Ausarbeitung eines Vorschlags übernimmt – nach einem Briefing durch den Vorstand – das zuständige Vorstandsmitglied für Kommunikation, in Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle.

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