Sack und Esel

BT online Kommentar 28.9.15

Sack und Esel

Was sich in der politischen Diskussion um mögliche Sparmassnahmen im Kulturbereich der Stadt Biel abspielt, ist ein Trauerspiel. Daran hat aber nicht allein die bürgerliche Ratsmehrheit ihren Anteil, sondern auch der Gemeinderat, insbesondere Kulturdirektor Cédric Némitz.

von Tobias Graden

Im Massnahmenpaket zur nachhaltigen Haushaltssanierung hatte der Kulturdirektor der Stadt Biel, Cédric Némitz, Vorschläge eingebracht, von denen er annahm, dass sie abgelehnt werden würden (Projektorchester) oder die in der nötigen Zeit gar nicht realisierbar gewesen wären (Zusammenlegung der Stadtbibliothek mit der Campus-Bibliothek – eine Idee, die über die Stadt hinaus für Kopfschütteln gesorgt hatte). Trotz gegenteiliger Beteuerungen seitens Némitz wurde man den Eindruck nicht los, diese Vorschläge hätten nicht der Lösungsfindung, sondern der Sparvermeidung gedient. Als ihm bewusst wurde, wie hoch er mit der Orchester-Idee gepokert hatte, zog er den Vorschlag zurück und desavouierte damit den Rat. Auf die Forderung einer Entschuldigung ging er am Donnerstag nicht mehr ein. Es ist darum nicht überraschend, dass das Pendel nun zurückgeschlagen ist – das Ja zur Motion ist auch ein Nein zu Némitz’ Vorgehen in dieser Angelegenheit. Hätte der Kulturdirektor wahrhaft Ungemach von Tobs und NMB abwenden wollen, wäre ein verantwortungsbewussteres Verhalten angezeigt gewesen. So aber hat Némitz den Institutionen einen Bärendienst erwiesen.

Gleichwohl: Die betroffenen Institutionen legen glaubhaft dar, dass die negativen Auswirkungen der Kürzungen für die Stadt Biel schwerer wiegen als die Einsparungen. Insbesondere der bürgerlichen Mitte sollte bewusst sein:Der Gegenstand ist zu ernst, um den Sack zu schlagen, aber den Esel zu meinen.

E-Mail: tgraden@bielertagblatt.ch

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