Kulturbetriebe sollen mehr Geld erhalten | Bieler Tagblatt

Kulturbetriebe sollen mehr Geld erhalten | Bieler Tagblatt 28.5.2014

Konzert Theater Bern und drei weitere städtische Kulturbetriebe sollen ab 2016 zusammen über eine Million Franken mehr pro Jahr erhalten. Seit gestern ist klar, wo die Stadt Bern Schwerpunkte setzen will.

Kulturbetriebe sollen mehr Geld erhalten

Alles Theater, oder was? Alexander Tschäppät, Bernhard Pulver und Ueli Studer, Präsident der Kulturkommission der RK Bern-Mittelland (von rechts). Bild: sk

von Oliver Meier

Alles Theater, oder was? Gestern luden die Exponenten von Kanton, Stadt und Regionsgemeinden in den Vidmarhallen zur Medienkonferenz. Der Ort war mit Bedacht gewählt: In den Vidmarhallen ist nicht nur die zweite Spielstätte von Konzert Theater Bern (KTB) beheimatet. Der Veranstalter Be-Jazz bietet hier rund fünfzig Konzerte pro Jahr. Beide – BeJazz und KTB – gehören zu jenen dreizehn Kulturbetrieben, die künftig von Kanton, Stadt und Regionsgemeinden gemeinsam finanziert werden.

Mühle unter Vorbehalt
Dem Entscheid der Kantonsregierung waren lange Diskussionen vorausgegangen. Man könnte auch sagen: Es war ein kulturpolitisches Theater. Und fast schon zur Farce schien die Kommunikation zu werden: Wegen einer Panne wurde die Liste der «regional bedeutenden Institutionen» letzte Woche vorzeitig publik. Demnach werden die Gemeinden ab 2016 mehr kleinere Stadtinstitutionen mitfinanzieren, die verhältnismässig viel Publikum aus der Region anlocken: das Kornhausforum, das Berner Kammerorchester, das Buskers und die Cappella. Zudem ist die Mühle Hunziken aufgenommen worden – unter dem Vorbehalt indes, dass die Rechtsstreitigkeiten bis Ende 2014 bereinigt sind. Regierungsrat Bernhard Pulver betonte gestern, die Auswahl der Institutionen bedeute kein «staatliches Qualitätsprädikat». Neu war das nun allerdings nicht.

Stadt wird entlastet
Alles Theater also? Eine überflüssige Medienkonferenz mehr? Nicht wirklich. Denn was danach unter dem Stichwort «Budgetdiskussionen» vorgetragen wurde, hat es in sich: Vier Institutionen auf der Liste sollen ab 2016 zusammen knapp 1,2 Millionen Franken mehr erhalten: Konzert Theater Bern, das Historische Museum, die Camerata Bern und das Effingertheater. Andere Institutionen, darunter das Kornhausforum, hatten ebenfalls eine Erhöhung beantragt, gingen aber leer aus. Den Löwenanteil von durchschnittlich fast 700 000 zusätzlichen Franken pro Jahr erhält – Konzert Theater Bern, der ohnehin schon grösste Kulturbetrieb des Kantons. Laut Stadtpräsident Alexander Tschäppät ist die eine Hälfte des Zusatzbetrags als «künstlerisches Innovationskapital» zu verstehen. Mit der anderen Hälfte soll schrittweise ein Grundproblem der Fusionsinstitution entschärft werden: das gravierende Lohngefälle innerhalb des Millionenbetriebs. Wer hat, dem wird gegeben? Nicht aus Sicht der Subventionsgeber. Tschäppät bezeichnete die begünstigten Betriebe explizit als «unterfinanziert». Und: Auch die Freie Szene soll sich freuen können. Gleichsam als Gegenpol zu Konzert Theater Bern will Tschäppät durch eine Zusammenlegung von Dampfzentrale und Schlachthaus-Theater nichts weniger als ein neues «Flaggschiff der Berner Kulturpolitik» schaffen.

Und woher kommt das Geld dafür? Die Stadt wird durch das Kulturförderungsgesetz entlastet. Tschäppät bekräftigte gestern, dass «ein Teil davon, der deutlich kleinere, wieder in die Kultur investiert» werden soll. Ob es so weit kommt, ist aber offen – der Streit darüber ist vorprogrammiert. Noch im Juni will der Gemeinderat die Kulturvorlage in die Vernehmlassung schicken.

Viel zu diskutieren wird es auch bei den Regionsgemeinden geben. Seit gestern sind die Eckwerte der Subventionsverträge bekannt. Demnach müssen die Gemeinden ab 2016 total 5,99 Millionen Franken an die Kulturinstitutionen zahlen. Das sind zwar 2,3 Prozent weniger als heute. Aber die Sache hat einige Haken. Der erste: Der Beitragssatz der Gemeinden wird von 11 auf 12 Prozent erhöht. Das heisst, bei künftigen Subventionserhöhungen werden sie stärker zur Kasse gebeten. Der zweite Haken: Das Kulturförderungsgesetz führt zu einer Mehrbelastung des Kantons, der via Finanz- und Lastenausgleich kompensiert wird. Dabei dürften die Gemeinden um 3 Franken pro Kopf belastet werden. Der dritte Haken: Fast vierzig vor allem kleinere Gemeinden müssen mehr berappen. Hintergrund ist ein neuer Verteilschlüssel, der auf der Grundlage von Daten des Bundesamts für Statistik ausgeheckt worden ist. Seit gestern läuft die Vernehmlassung. Bis Ende August können die Gemeinden ihre Stellungnahme abgeben.

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Pläne der Stadt Bern
Lange zeigten die städtische Kultursekretärin und der Berner Stadtpräsident wenig Lust, kulturpolitisch etwas zu bewegen. Dann, in den letzten Wochen, brach plötzlich Hektik aus. Per Brief ordnete die Abteilung Kulturelles an, das SchlachthausTheater und die Dampfzentrale ab 2016 in eine gemeinsame Trägerschaft zu überführen. Gestern bekräftige Stadtpräsident Alexander Tschäppät sein Vorhaben. Er sprach von einer «klaren Forderung», die «Sinn macht». «Für mich ist klar, dass wir unser Profil in der zeitgenössischen Kultur schärfen wollen und dass wir dafür ein starkes Mehrspartenhaus brauchen.» Tschäppät sprach gar von einem neuen «Flaggschiff», Kultursekretärin Veronica Schaller von der Stadt Bern als «Brennpunkt der zeitgenössischen Kultur». Wie viel die kulturpolitische Adelung kosten soll, liessen sie offen. Informiert wird noch im Juni. mei

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