Kultur besser verkaufen | Bieler Tagblatt

Kulturdebatte | Bieler Tagblatt 21.05.2014

Kultur besser verkaufen

Erneut haben sich rund 70 Bieler Kulturakteure zum Austausch getroffen. Image, Kommunikation und die Vermittlung standen zur Debatte. Der alte Wunsch nach einer Kulturagenda wurde laut – und wird wohl schon bald erfüllt.

Kultur besser verkaufen - 3. Table Ronde

Ernste Mienen und rote Wangen: Kulturschaffende und Politiker diskutieren über die Rolle der Kultur für das Image der Stadt Biel. copyright: bieler tagblatt/ olivier gresset
Simone Tanner

Kulturmarketing, Kulturvermittlung und die Rolle der Kultur für das Image einer Stadt. Dies sind Themen, über die man ganze Seminare veranstalten könnte. Am Dienstagabend hatten die Kulturakteurinnen, Politiker und Kulturinteressierten zwei Stunden Zeit, sie in kleinen Gruppen zu diskutieren. Erneut folgten rund 70 Personen der Einladung des Kulturdirektors Cédric Némitz, sich an der Kulturdebatte zu beteiligen. Und an der dritten Table Ronde wurde denn auch ein drittes Diskussionssystem ausprobiert. Statt wie die ersten beiden Male, diskutierten nicht mehr alle alles, sondern je zwei Gruppen à zehn bis zwölf Leute behandelten jeweils ein Thema. Gemäss der Kulturdelegierten Eszter Gyarmathy und Cédric Némitz sei man damit dem Wunsch einiger Kulturschaffender nachgekommen, ein Sujet vertiefen zu können.

Stadtmarketing gefordert
Die aus den Diskussionen resultierenden Vorschläge, bzw. Wünsche an die Stadt, sind alles andere als neu. Und es zeigte sich ferner, dass diese auch zwischen den drei behandelten Themen nicht gross voneinander abwichen. Ein grosses Bedürfnis der Kulturakteurinnen und Kulturakteure ist eine bessere Sichtbarkeit der Bieler Kultur. So wurde mehrfach vorgeschlagen und gefordert, die Präsenz der Kultur innerhalb des Stadtmarketings zu stärken. «Die Stadt verkauft die industrielle und handwerkliche Exzellenz. Wir Kulturakteure verlangen, dass im gleichen Mass die kulturelle Exzellenz von Biel anerkannt und verkauft wird», stand etwa am Schluss des Abends auf einem der Flipchartpapiere.
Bereits im letzten Jahr fand während der Bieler Fototage eine Podiumsdiskussion zum Thema «Kultur und Stadtmarketing» statt, an welcher die Kulturschaffenden Kultur als wichtigen Standort- und Wirtschaftsfaktor und Teil des Images Biels proklamierten. (Das BT berichtete.) Hier besteht gemäss der Kulturszene Handlungsbedarf. Gefordert wurde eine bessere Signalisation, eine bessere Präsenz auf der Website der Stadt und vor allem mehr Anerkennung. Gleichzeitig sei es aber auch Aufgabe der Kulturleute, das Gespräch mit den Verantwortlichen des Stadtmarketings zu suchen, so eine Schlussfolgerung des Abends.

Kulturagenda in Planung
In engem Zusammenhang mit einer besseren Visibilität steht auch der Wunsch nach einer Kulturagenda. «Die Bielerinnen, Seeländer und Touristen müssten sich via Kulturagenda über die Kulturveranstaltungen informieren können», so ein Votum.
Die Geschichte der Bieler Kulturagenda ist eine längere. Den Veranstaltungskalender als monatliche Panoramaseite im «Bieler Tagblatt», «Journal du Jura», und «Biel-Bienne» musste die Stadt 2011 aus Kostengründen einstellen. 2012 folgte eine elektronische Datenbank zur Erfassung der Veranstaltungen (erarbeitet von der W. Gassmann AG)inklusive Printversion, die von der Stadt verteilt wurde. Die gedruckte Agenda gibt es seit Ende 2013 ebenfalls nicht mehr. Die aktuelle Datenbank, die gemeinsam von der Stadt und dem «Bieler Tagblatt» betrieben wird, sei nicht userfreundlich, da sind sich Kulturakteure, Stadt und die W. Gassmann AGeinig. Deshalb soll demnächst eine neue Datenbank online gehen, wie Kenan Sahin, Leiter Oline und Mobile der W. Gassmann AG, gestern bestätigte. Partner der vier Gassmann-Medien (BT, «Journal du Jura», «Canal 3» und «Telebielingue») sind die Tourismusorganisation «Jura Trois-Lacs / Drei-Seen-Land», die Stadt Biel, Hauptstadtregion Schweiz und Theater Orchester Biel Solothurn.
Der Online-Veranstaltungskalender wird vom BT, dem JDJ, der Stadt und auch von den Veranstaltern selbst gefüttert und soll zudem in gedruckter Form im Amtsanzeiger Biel sowie in den Anzeigern von Nidau und Büren publiziert werden. Die Kulturdelegierte Eszter Gyarmathy spricht auch von einem kleinen redaktionellen Teil, der für den Online-Auftritt geplant sei und von der Dienststelle für Kultur produziert werde. Die Mittel, die aus dem Stadtmarketing kommen, seien allerdings beschränkt. Details zur neuen Veranstaltungsagenda sollen demnächst bekanntgegeben werden.

Günstige Werbefläche
Nebst der Kulturagenda und einem besseren Einbezug der Kultur im Stadtmarketing, ist mehr Werbefläche ein weiteres Anliegen der Kulturschaffenden. Die zwölf Kulturnägel und der kostenlose Aushang von F4-Plakaten, den die Stadt Biel in Zusammenarbeit mit dem Aussenwerbeunternehmen APG anbietet,  seien zu wenig, so der Tenor einer Gruppe. Das neue Polizeireglement, das den Aushang von Plakaten verbietet, erschwere die Werbung zusätzlich, vor allem für die kleineren Kulturveranstalter, die weniger Budget für Werbung zur Verfügung haben. Ein Vorschlag ging am Dienstag sogar in Richtung «weniger Subventionen dafür günstigere Werbeflächen». Das Plakatieren ist auch in anderen Städten immer wieder ein Thema. In Biel hat die Assemblée des Associations et Organismes Culturels (AAOC) nun das Heft in die Hand genommen. Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich seit Anfang Jahr mit dem Thema und ist bereits mit Eszter Gyarmathy im Gespräch, wie diese gestern bestätigte. Ende 2015 läuft der Vertrag zwischen der Stadt Biel und  der APG aus. Bis dahin soll die aktuelle Situation analysiert und allfällige Änderungen diskutiert werden.
Einiges ist also schon im Tun. Und die Kulturakteure zeigen nebst den immer wieder aufkommenden Forderungen an die Stadt auch Selbstinitiative. Nach der letzten Table Ronde vom kommenden Dienstag wird es die Aufgabe der Stadt sein, die Ergebnisse der Debatte zusammenzufassen und für die weitere Bearbeitung in den Arbeitsgruppen aufzubereiten. Dass dies nicht ganz einfach wird, ist sich der Kulturdirektor Cédric Némitz bewusst, wie er am Dienstagabend betonte.

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Die nächste Table Ronde

  • Die 4. und letzte Table Ronde zu den Themen «Schnittstelle Stadt Biel; Rolle der Stadt Biel, Dienststelle für Kultur und Kommissionen, Dienstleistungen für die Öffentlichkeit,
  • Akteure und Institutionen» findet nächsten Dienstag,  27. Mai, um 17.30 Uhr im Kongresshaus statt. Danach sollen die Ergebnisse und Vorschläge in Arbeitsgruppen weiter bearbeitet werden.
  • Die Ergebnisse der bisherigen Debatte sind auf der Website der Stadt www.biel-bienne.ch unter Freizeit/Kultur publiziert. Weitere Infos und ein Diskussionsforum gibt es auf der Website der Assemblée des Associations et Organismes Culturels in Biel (AAOC): www.aaoc.ch. Die AAOC hat ebenfalls eine Facebook-Auftritt.    sit

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